Spezialmuseen gibt es viele im Freistatt Sachsen. Sie widmen sich z.B. der regionalen Fahrzeugproduktion, der Schnitzkunst, den nordamerikanischen Ureinwohnern oder den Liverpooler Pilzköpfen. Die liebevoll aufgebauten Sammlungen befinden sich in der öffnetlichen Hand, im privaten Kreis von speziell auf die jeweiligen Thematik ausgerichteten Interessenten und sind dennoch für die Allgemeinheit unschätzbar wichtig, denn sie erweitern unseren kulturellen Horizont um jene wichtigen Facetten von Spezialwissen, die nicht zwangsläufig zum verbreiteten gemeinsamen Erfahrungsschatz gehören.

Anders verhält es sich, wenn es sich bei dem im Museum zu thematisierenden Sachverhalt um das Phänomen "Schule" handelt. Buchstäblich jeder hat - ob im positiven wie im negativen - seine persönlichen Erfahrungen mit "Schule" gemacht - eine breite Interessentenbasis sollte also einem auf Schulgeschichte ausgerichtetem musealen Unternehmen a priori sicher sein. Verfügen die Initiatoren eines derartigen Vorhabens außerdem noch über eine solide Sammlungsbasis - was spräche dann noch gegen den Erfolg eines Schulmuseums?

Eine oberflächliche Antwort auf diese Frage ist schnell gegeben. Sie lautet ganz einfach: "Nichts!", denn in den zehn Jahren der Existenz des Ebersdorfer Schulmuseum e.V. hat sich Erfolg nach innen und außen deutlich gezeigt: Mit beharrlichem Fleiß baute der Verein eine schulgeschichtliche Sammlung auf, die in Einzelbereichen von überregionaler Bedeutung ist. Unter zum Teil widrigsten Bedingungen, als die Arbeit in der immer mehr verfallenden alten Ebersdorfer Schule, dem angestammten Domizil, unzumutbar wurde, resignierte der Verein nicht etwa, indem er einfach die Bestände "einmottete" und sich lediglich auf Schadensbegrenzung konzentrierte; statt dessen ging er "nach draußen", arbeitete an Schulen, in Museen und sensibilisierte schließlich Kommunalpolitik, Kulturschaffende und Öffentlichkeit. Wo eigene Kräfte an ihre Grenzen stießen, wurden zielgerichtet Partner gesucht und gefunden: Das Chemnitzer Kulturamt steht dem Museum in verwaltungs- und finanztechnischen Fragen mit Rat und Tat zur Seite, Schloßbergmuseum und die sächsiche Landesstelle für Museumswesen beraten in Fachfragen, die Chemnitzer Phoenix GmbH vermittelt dringend benötigte Arbeitskräfte.

Das kleine Team der Museumsmitarbeiterinnen schließlich leistete innerhalb der letzten zwei Jahre Basisarbeit, in dem der Bestand von Sammlung und Bibliothek nach musealen Standarts inventarisiert und somit für künftige wissenschaftliche Arbeit grundlegend erschließbar wurde. Das Schulmuseum konnte sich Dank dieses immensen Engagements von Freunden, von Vereinsmitgliedern und vor Allem des Vorstandes zu einer festen Größe in der Chemnitzer Museumslandschaft entwickeln, wie die Besucherstatistik, wie der enorme Zuspruch der Bevölkerung anlässlich der "langen Museumsnächte" und Denkmalstage eindrucksvoll beweist: Das Museum wertet nicht nur den Stadtteil Ebersdorf kulturell auf, es beschert auch der Stadt Chemnitz ein wichtiges kulturpolitisches Alleinstellungsmerkmal, denn es ist im weiten Umkreis das einzige Museum dieser Art - ein Umstand, der mit Blick auf die im sächsischen Lehrplanwerk ausgewiesenen Unterrichtsinhalte, die dezitiert Auseinandersetzung mit Schulgeschichte und Besuch eines Schulmuseums fordern, nicht hoch genug zu veranschlagen ist.

Zehnjährgie Jubiläen sind jedoch nicht dazu da, nur schnelle oberflächliche Antworten zu geben. Sicher, es spricht alles dafür, dass der Verein, dass das Schulmuseum in den zehn Jahren ihrere Existenz messbaren Erfolg gehabt haben. Erfolgreich zu sein, ist nicht selbstverständlich und wird in den nächsten Jahren unendlich schwieriger werden.

Mit wachsender öffentlicher Akzeptanz und Inanspruchnahme wird eine lediglich befristete oder nebenbei realisierte Betreuung des Ebersdorfer Schulmuseums nicht weiter machbar sein können. Hier müssen grundlegende neue Lösungsansätze her, um auch künftig Museumsarbeit per definitionem, nämlich "Sammeln, Bewahren, Erforschen und Ausstellen" zu leisten. Die Schaffung einer breiteren Vereinsbasis, ein verstärktes Einbinden von Pädagogen in die Verantwortung und ein noch engerer Arbeitskontakt zu den Fachämtern und -institutionen von Stadt und Freistaat sind dabei existentiell wichtige, zur Lösung anstehende Aufgaben. Dafür allen Freunden des "Ebersdorfer Schulmuseum e.V." viel Kraft, aber wenigstens auch genauso viel Spaß!

 

Uwe Fiedler
Schloßbergmuseum Chemnitz